von Alexandra Schermann
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In Gesprächen mit Kunden höre ich oft, dass manche remote Meetings viel effizienter empfunden werden als zuvor die Präsenzbesprechungen. Daneben mehren sich Artikel, Blog-Beiträge und Postings, die remote Meetings wegen ihrer Effizienz und ihrer Flexibilität als das neue Meeting Format, als Teil der neuen „Normalität“ anpreisen.

So habe ich mich mit meinem persönlichen Verhalten in den vielen remote Meetings der letzten Wochen etwas genauer auseinandergesetzt.

Natürlich finde ich remote Meetings auf jeden Fall besser, als gar keine Meetings abzuhalten. Und für mache Besprechungsformate mag auch nach COVID-19 die remote Variante gleich effizient, dafür aber flexibler sein, als sich vor Ort zu treffen.

Doch in Besprechungen müssen oft auch heikle Entscheidungen getroffen werden bzw. ist Spontanität und Kreativität gefragt. Ein Team kann nur dann eine tragfähige und erfolgsversprechende Entscheidung oder Lösungsvorschläge erarbeiten, wenn es möglich war unterschiedliche Standpunkte kontroversiell zu diskutieren und spontan einzubringen. Diese Abstimmungen und Konflikte machen Besprechungen natürlich auch anstrengend und mühsam. Doch nur, weil wir im remote Format nun rascher zu Entscheidungen kommen, bedeutet das nicht unbedingt eine Effizienzsteigerung. Aus meiner Beobachtung handelt es sich in vielen Fällen schlichtweg um Vermeidung!

Es ist schon schwer genug strittige Themen anzusprechen, wenn ich meinem Gegenüber tatsächlich gegenübersitze. Doch im remote Meeting fehlen mir wichtige Informationen, um am Gespräch und an meinen Gesprächspartner dran bleiben zu können. Durch die zeitverzögerte Übertragung verpasse ich oft den richtigen Moment für meinen Einwurf. Mir fehlt ein Gefühl für die Stimmung im Team. Ich erkenne nicht, ob auch andere Personen meine Meinung teilen oder eben nicht. Kontakt über Blickkontakt herzustellen ist so gut wie unmöglich. Und so habe ich mich letztlich selbst in manchen Situationen dabei ertappt zu denken – „Ach was solls, so wichtig ist das jetzt auch nicht“ und habe die Auseinandersetzung lieber bleiben lassen.

Remote Meetings sind für mich nicht generell als „new way of work“ einsetzbar. Ich persönlich werde weiterhin kritisch prüfen, wo ein remote Format Sinn macht – und wo eben nicht.